Das Strandingsmuseum St. George

Wer nach Thorsminde fährt, sieht schon aus weiter Entfernung den hohen Turm, der in der Landschaft aufragt. Man kann nur dringend empfehlen, das Strandingsmuseum St. George zu besuchen – hier findet man außer dem Turm die bedeutenden Strandungsgeschichten und die vom Meeresgrund geborgenen Schätze.

Das tragende Element des Museums ist die Geschichte der beiden großen Strandungen, die am Weihnachtsmorgen 1811 stattfanden. Zwei englische Linienschiffe (Kriegsschiffe) wurden vor Thorsminde in einem heftigen Orkan gefangen. Die Schiffe HMS Defence und HMS St, George strandeten und fast 1400 Seeleute verloren ihr Leben, nur 17 von ihnen überlebten die Katastrophe, die damit eine der größten Schiffskatastrophen der Weltgeschichte wurde.

Gut 4000 Effekten wurden vom Wrack der St. George geborgen.

Vom Pfefferkorn zu Kanonen

Alle geborgenen Effekte müssen einen längeren Konservierungsprozess durchlaufen, bevor sie ausgestellt werden können. Das gilt sowohl für die kleinsten Gegenstände im Museum – die Pfefferkörner, die man in einem Schuh fand – bis zu den großen Kanonen. Durch die Ausstellung kann man sich einen Eindruck vom Alltagsleben an Bord des großen Schiffes machen – wie war es ein einfacher Seemann zu sein im Gegensatz zu einem hohen Offizier?

Der Instrumentenkasten des Schiffsarztes kann es einem kalt den Rücken hinunterlaufen lassen. Das Leben an Bord war hart und es war ein gefürchteter Job, zu dem viele gezwungen wurden. Der Schiffschirurg hieß John Cleland, das wissen wir durch seinen Stempel, der auch geborgen und bewahrt wurde und in der Ausstellung zu sehen ist. An Bord geschahen viele Unfälle und der Arzt hatte Geräte, um auch Amputationen vornehmen zu können. Keine ungefährliche Operation an Bord eines Schiffes, wo die Krankheitsrate ohnehin recht hoch war – hauptsächlich wegen der schlechten und eintönigen Ernährung.

Als Besucher des Museums kann man eine ganze Palette von Gegenständen sehen – von Luxuswaren, die als Mitbringsel gekauft worden waren bis zu alltäglichen Dingen wie Spielkarten, Kerzen, Porzellan und Navigationsausstattung.

Etwas über die Bedeutung der Strandungen lernen

Früher war die Westküste Jütlands bei den Seefahrern gefürchtet, sie nannten sie die „Eisenküste“. Für die Bewohner der Küste waren Strandungen ein dramatischer Teil ihres Alltags. 1852 wurde das Küstenrettungswesen „Det Nørrejyske Redningsvæsen" errichtet und man konnte in Seenot geratenen Seeleuten mit Rettungsbooten und dem Raketenapparat zu Hilfe kommen. Es war eine gefährliche Arbeit, oft unter Einsatz des eigenen Lebens, die die ortsansässigen Bauern und Fischer im Rettungsdienst leisteten, die Aktionen konnten viele Stunden und Tage dauern, während noch der Sturm tobte.

Es gab aber auch die andere Seite der Strandungen, die den westjütländischen Küstengegenden wirtschaftlichen Auftrieb gaben und einen Einblick in die große Welt ermöglichten. 

Wenn ein Schiff strandete, gab es nicht nur die Aufgabe die Verunglückten zu bergen und zu pflegen auch die große Arbeit, die Lasten des Schiffes und dessen Ausrüstung zu bergen. Damit hatte man die Möglichkeit Geld zu verdienen, alle Güter an Land zu holen und zum Hof des Strandvogts zu transportieren. Über die Ladung, das Inventar und das Schiffholz wurden Strandungsauktionen abgehalten und so fanden exotische Waren aus fernen Ländern, wie Apfelsinen, Kokosnüsse und Ananas den Weg zu den westjütländischen Fischern und Bauern.

Im Strandingsmuseum St. George kann man noch mehr darüber erfahren, wie groß die Wirkung von Strandungen auf die Gegend war. Ein kurzer Film mit animierten alten schwarz-weißen Bildern, Texten und Bruchstücken von Hintergrundgesprächen im breiten westjütländischen Dialekt zeigt, wie eine Strandungsauktion auch zu einer Art Volksfest wurde.

Begehrter Preis für das Museum

Im Mai 2019 fand in Sarajevo die Preisverleihung „The European Museum of The Year“ statt, die man als Antwort der Museen auf den „Oscar“ betrachten kann. Einer der vier Preise, The Silletto Prize, wird einem Museum verliehen, das insbesondere Freiwillige und die unmittelbare Umwelt miteinbezieht – dieser Preis ging an das Strandingsmuseum St. George. Darüber hinaus wurde die gute Vermittlung der mitreißenden Erzählungen von der Jury hervorgehoben.

„Es ist mit Stolz“ …

dass Abteilungsleiterin und Museumsdirektorin Helle Henningsen, die gesamte Besatzung und die vielen Freiwilligen Sie willkommen heißen, in die wichtige Weltgeschichte an der Westküste einzutauchen. In den vielen interaktiven Ausstellungen des Museums gibt es Erlebnisse für die ganze Familie. Treten Sie ein und erfahren Sie, warum der große auffällige Turm ein wichtiger Teil des Museumsneubaus ist, der 2017 fertiggestellt wurde. Von der neuen Dachterrasse oben im Turm aus kann man jetzt die authentische Nordseekulisse zu den Geschichten des Museums zu erleben.

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