Bovbjerg Fyr

Weit draußen an der Steilküste Bovbjerg Klint liegt der charakteristische rote Leuchtturm Bovbjerg Fyr. In der Dunkelheit sendet er sein Licht über das Meer. Jede 15. Sekunde blinkt er zwei Mal weiß, aber es war nicht immer so. Als das Feuer 1877 zum ersten Mal angezündet wurde, war es eine feste lebende Flamme.

Der Leuchtturm ist Teil der barschen Geschichte von Jütlands Westküste. Im 19. Jahrhundert wurden die meisten Güter verschifft und die Nordsee entlang Jütlands Küste glich einer wahren Autobahn für Schiffe, die mit Waren aus der ganzen Welt segelten. Doch es war eine gefährliche Straße. Die Verhältnisse des Meeresgrundes waren tückisch, oft wüteten Stürme und unzählige Strandungen machten die Westküste zu Zeiten zu einer besonders gefürchteten Route und gaben ihr den Beinamen „Eisenküste“.

Um die Sicherheit zur See zu verbessern, wurden entlang der Küsten Leuchttürme gebaut. Sie konnten den Seeleuten im Dunkeln sicher die Küste entlang leiten.

Das Feuer unterhalten

Damals waren die Gebäude um den Leuchtturm von Bovbjerg das Zuhause für drei Familien, die den Leuchtturm bedienten, an ihrer Spitze stand der Leuchtturmwärter. Das Feuer im Turm durfte niemals ausgehen. Auch heute noch werden viele Geschichten über die alten Leuchtturmwärter erzählt. Beispielsweise Fyrmester E. Rasmussen, der selbst einmal zu Schiff in der Welt herumgekommen war und in der kleinen Gemeinde an der Westküste daher etwas exotisch wirkte. Er besaß sogar einen Papagei, den er von seinen Reisen mitgebracht hatte!

Heute muss das Feuer nicht mehr unterhalten werden. Der Leuchtturm wir durch eine elektrische Birne erleuchtet, die automatisch gesteuert wird und so verließ der letzte Leuchtturmwärter den Turm im Jahr 2003.

Drei Frauen retteten den Leuchtturm

Das Wasser- und Schifffahrtsamt, dem der Leuchtturm gehörte, wollte damals das Geld für den Unterhalt des Leuchtturms sparen, und bot ihn zum Kauf an. Doch das war niemand, der den Ortsansässigen zusagte, die immer unter dem blinkenden Licht gelebt hatten. Was nun? Wer wollte ihn kaufen? Vielleicht jemand, der ihn für die Öffentlichkeit schließen würde? Das durfte nicht sein!

Dieser Leuchtturm, der im Laufe der Jahre viele Seeleute vor dem Untergang gerettet hatte, sollte nun selbst gerettet werden. Drei Frauen aus der Gegend brachten in drei Jahren ein riesiges Stück Arbeit fertig, indem sie Unterschriften sammelten, ihre Ideen weiter vermittelten und Gespräche mit Politikern führten. Ihre Arbeit fruchtete. 2006 kaufte die Lemvig Kommune den Leuchtturm und verkaufte ihn für eine einzige Krone an einen Fond weiter, den die Ortsansässigen gegründet hatten – mit einer Klausel, dass der Leuchtturm geöffnet bleiben und als Kulturhaus mit öffentlichem Zugang betrieben werden sollte. So ist es seitdem geschehen.

Die Ideen der Freiwilligen als Grundlage

So wie seinerzeit die Rettungsinitiative auf der Basis freiwilliger Arbeit durchgeführt wurde, wird der Leuchtturm nun von vielen Freiwilligen betrieben. Viele unterstützen das Turmprojekt und die Ideen der vielen Freiwilligen hat Bovbjerg Fyr zu einem lebendigen Kulturhaus mit 50-60.000 Besuchern im Jahr gemacht. Es gibt ein Café mit Hausgebackenem, einen Laden mit einheimischen Produkten und Lebensmitteln und jeden Monat wechselnde Kunstausstellungen. Man kann dort die vielen guten Geschichten aus der Zeit der Leuchtturmwärter und der Zeit während des Krieges lesen.

Der Leuchtturm bildet den Rahmen um viele interessante Arrangements im Laufe des Jahres, von Konzertes über gemeinsames Essen, Herbstmarkt bis zu Theatervorstellungen. Die Ideen und der Tatendrang der Freiwilligen scheinen unerschöpflich zu sein. Natürlich kann man auch die einzigartige Aussicht vom Turm genießen, wo der Blick über die Unendlichkeit des Meeres, die drei Mittelalterkirchen und die Steilküste mit den Spuren der Eiszeit gleiten lassen.

Heute gibt es keinen Leuchtturmwärter (Fyrmester) mehr, aber die „Fyrmoster“ (wörtlich übersetzt „Leuchtturmtante“) Lene Christiansen steht an der Spitze einer kleinen Handvoll Angestellter, die die große Arbeit der Freiwilligen steuern und gewährleisten sollen, dass Bovbjerg Fyr geöffnet und aktiv ist – zur Freude der vielen Gäste.

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